Der grüne Realitätssinn.

von Sven Stemmer [Lesezeit ca. 3min.]

Es gibt ihn, den grünen Realitätssinn. Man muss aufpassen, wenn er vorbeihuscht, aber *** im Jahre des Herrn 2016 *** stellte der Ministerpräsident von Baden-Württemberg – Winfried Kretschmann –  fest, dass niemand besonderen Wert auf die moralischen Belehrungen durch Besserwisser legt. [Das gilt m. E. nach besonders, wenn sich zehn einen Berufsabschluss teilen.] Dies könne nämlich – so der Herr Ministerpräsident – indirekt zu den Wahlerfolgen der AfD beitragen. Weise Worte eines altgedienten Kommunisten. Offenbar jedoch waren sie nicht klar genug gewählt. Oder die Postkutsche aus Stuttgart ist mit der Botschaft auf den Weg nach Unterfranken verloren gegangen. Deshalb will ich einmal versuchen, etwas klarer zu formulieren:

Die Grünen verkörpern in ihrem Auftreten, Sprechen und Agieren – kurz in ihrem gesamten Habitus – wie keine zweite Partei die Arroganz der Macht. Das stößt bei einer großen Anzahl von Menschen auf extremen Widerwillen und ist eine äußerst direkte und ganz bedeutende Wahlkampfhilfe für die AfD.

Ich wage gar die These, dass die Grünen, die sich ein Exkrement um das scheren, was den Durchschnittsbürger so bewegt, die Ursache für die gegenwärtige Spaltung der Gesellschaft sind.  Zumindest gilt das abseits von wohlstandsverwahrlosten SUV Fahrern.  Dieses Desinteresse tragen sie auch ganz unverhohlen zur Schau. Die AfD schöpft lediglich die Suppe ab, die die Grünen anrühren.

Und gestern, am 8 Oktober, rührte Frau Dr. Manuela Rottmann eine weitere Prise des speziellen grünen Gewürzes in diese Suppe. Die Situation kann sich jeder in dem Video ansehen. Ich möchte nur ein, zwei Worte zur Erläuterung beifügen. Die Petition, die in dieser Sitzung besprochen wurde, geht zurück auf die „Erklärung 2018“ von Vera Lengsfeld, die nach ihrer Veröffentlichung innerhalb von kurzer Zeit über 180 000 Unterschriften bekam. Das sorgte für großes Aufsehen, besonders weil aus der Liste hervorging, dass sich hier keineswegs sozial abgehängte, tumbe Skinheads artikulierten, auch wenn die Unterzeichner auf das Label „Kulturschaffende“ oder ähnliches verzichteten. Da für die Petition noch einmal alle Unterzeichner aufgefordert werden mussten, erneut zu unterschreiben, erklärt sich hier die kleinere Zahl. Diese Erklärung wurde heiß diskutiert, auf dem Blog „Achse des Guten“ des Mitunterzeichners Henryk Broder, Autor bei der Welt, sowie in zahlreichen anderen Publikationen. Zu Lösungsansätzen für die bemängelten Fakten wurden mittlerweile Bücher veröffentlicht.  Wenn also das Mitglied des Petitionsausschusses Dr. Manuela Rottman behauptet, dass sie nicht verstünde, was die Petenten wollen und es ja auch keine konkreten Lösungsansätze gebe, ist sie entweder strunzdumm – wofür der „Dr. jur.“ zumindest nicht spricht – oder bahnbrechend schlecht vorbereitet, was einer Arbeitsverweigerung der vom Bürger gewählten und komfortabel alimentierten Abgeordneten gleichkommt oder – und das ist das wahrscheinlichste – es ist reine Rhetorik. Mithin eine Verschleierungs -, Verwischungs-, Verhöhnungstechnik – eben eine schlichte, hochmütige Beleidigung der Bürger, denen sie im selben Atemzug auch noch deren Selbstbewusstsein vorhält. Möglicherweise hätte sie sich mehr vom guten, altdeutschen Untertanengeist gewünscht, dessen sich die Grüne Partei selbst befleißigt, sobald sie auf ein paar Bröckchen vom Tisch der Macht spekuliert  [so wie bei der Genehmigung für die Abholzung des Hambacher Forstes].

Auch die Begleitumstände waren dem vernehmen nach nicht wirklich wertschätzend. Das mag man beklagen, aber wer zum Beispiel von einer Abgeordneten der Linken (SED) nicht als rechts beschimpft wird, sollte sich vielleicht auf akuten Stalinismus untersuchen lassen.

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