{"id":1421,"date":"2022-02-18T20:56:34","date_gmt":"2022-02-18T20:56:34","guid":{"rendered":"http:\/\/dandys-corner.de\/?p=1421"},"modified":"2022-02-18T21:04:42","modified_gmt":"2022-02-18T21:04:42","slug":"ein-schlimmer-tag","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/dandys-corner.de\/en\/ein-schlimmer-tag","title":{"rendered":"Ein schlimmer Tag"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt;\">[Lesezeit ca. 3min.]<\/span><\/p>\n<p>Ein besonders schlimmer Tag in der deutschen Geschichte, einer an den man nicht in gleicher H\u00e4ufigkeit erinnert wird wie an andere Jahrestage, ist der 18. Februar.<\/p>\n<p>Heute vor 79 Jahren ereigneten sich gleich zwei schreckliche Dinge.<\/p>\n<p>Es begann am Morgen. Die Studenten Sophie und Hans Scholl betraten um 10:45 Uhr die Universit\u00e4t in M\u00fcnchen durch den Haupteingang. Sie hatten einen Koffer und eine Aktentasche gef\u00fcllt mit ihren Flugbl\u00e4ttern dabei. Sie legten einige Stapel vor die geschlossenen H\u00f6rs\u00e4le und verlie\u00dfen das Geb\u00e4ude in Richtung der Amalienstra\u00dfe. Doch weil sie Angst bekamen, mit den \u00fcbrigen Bl\u00e4ttern im Gep\u00e4ck aufgegriffen zu werden, kehrten sie noch einmal zur\u00fcck und legten einige in den ersten Stock. Und dann warf Sophie Scholl aus dem zweiten Stock einen Stapel \u00fcber die Br\u00fcstung in den Lichthof.<!--more--><\/p>\n<p>Das sah Hausmeister Schmid und hielt die beiden bis zum Eintreffen der Gestapo fest. Von da an trennten sie nur noch vier Tage von ihrem Tod unter der Guilloutine.<\/p>\n<p>Hausmeister Schmid &#8211; Mitglied der SA seit 33 &#8211; wurde sp\u00e4ter von den Amerikanern verurteilt. Er wehrte sich gegen dieses Urteil, besonders gegen den Verlust seines Rentenanspruchs, mit der bekannten Melodie von der Pflicht, die er nur getan habe, denn es war ja schlie\u00dflich verboten Flugbl\u00e4tter zu verteilen und der Inhalt habe ihn ja gar nicht interessiert. Gewinsel eines besonders r\u00fcckratlosen Denunzianten, der sicher seine grausame Freude an der &#8222;Pflicht&#8220; gefunden hatte.<\/p>\n<p>Als der Abend dann hereinbrach betrat der Propagandaminister Goebbels die B\u00fchne im Sportpalast und hub zu einer Rede an, die neben vielem wohl als Machtprobe mit seinem F\u00fchrer verstanden werden muss, durch die er ihn auf eine besonders radikale Linie zwingen wollte. Vor allem aber wurde sie zu einem Lehrst\u00fcck in der Psychologie der Massen, wie Goebbels sie bei le Bon gelernt hatte.<\/p>\n<p>Zu einem Zeitpunkt an dem L\u00fcbeck, K\u00f6ln und Essen bereits in Schutt und Asche lagen, die Schlacht um Stalingrad verloren war .. in einem Moment in dem jeder Opfer zu beklagen hatte, unter Kriegswirtschaft und Hunger litt und im Grunde jede Nacht mit einem grausamen Tod rechnen musste &#8211; zumindest in den gro\u00dfen St\u00e4dten, als also das ganze Land un\u00fcbersehbar und ungebremst auf eine vollst\u00e4ndige Katastrophe zuraste, stellte er die Frage, >wollte Ihr mehr davon< - freilich in den Worten \"Wollt Ihr den totalen Krieg?\" Und 15.000 Zuh\u00f6rer br\u00fcllen \"Ja!\" und bewiesen die unfassbare Beharrungskraft des reinen Irrsinns.\n\n&nbsp;\n\nDer Mensch als Masse ist die gr\u00f6\u00dfte Gefahr seiner selbst, ganz gleich ob er sich im Rausch der Gro\u00dfveranstaltung aufzul\u00f6sen scheint oder als serviler Zutr\u00e4ger und Denunziant auf der Schleimspur seiner jeweiligen Ideologie oder des gerade aktuellen Zeitgeists herumkriecht. So wird er, wenn er seine ihm eigene Verantwortung (und damit seine W\u00fcrde) ablegt und das Denken von anderen besorgen l\u00e4sst. Das ist das banal B\u00f6se des Knechtssinns und Untertanengeistes. Darum ist es niemandem erlaubt zu gehorchen. Jeder ist verantwortlich f\u00fcr sein Tun. Ich hatte fr\u00fcher geglaubt, diese Lektion w\u00e4re in Deutschland gr\u00fcndlich gelernt worden. Der Zweifel daran f\u00fchlt sich wirklich furchtbar an.\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[Lesezeit ca. 3min.] Ein besonders schlimmer Tag in der deutschen Geschichte, einer an den man nicht in gleicher H\u00e4ufigkeit erinnert wird wie an andere Jahrestage, ist der 18. Februar. Heute vor 79 Jahren ereigneten sich gleich zwei schreckliche Dinge. Es begann am Morgen. 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