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Vom Verlust der Freiheit

Vom Verlust der Freiheit

[Lesezeit ca. 2 min.]

Jedem, der in der Tiefe verstehen möchte, was eigentlich gerade mit unserer Gesellschaft und unserem Land geschieht, sei das Buch „Vom Verlust der Freiheit“ des Psychotherapeuten und Künstlers Raymond Unger dringend empfohlen.

Unger gibt unserer misslichen Gegenwart in den Facetten der Banken-, Flüchtlings-, Klima-, und Coronakrise auf 520 Seiten den Raum, den es braucht, um die Zusammenhänge von Grund auf zu beleuchten. In der Lektüre erkennt man schnell: Die unfassbaren Zustände der Manipulation, der Gängelung und Entmündigung sind nicht erst mit der vielfach so genannten Coronakrise vom Himmel gefallen. Diese Entwicklung machte es lediglich für weite Teile der Gesellschaft spürbar. Konnte man bis Februar 2020 unbequeme Themen leicht ignorieren und die Augen vor den deutschen Zuständen verschießen, ist das mit einer Freiheitsberaubung per Ermächtigungsgesetz, die jeden Einzelnen gegängelt, nicht mehr möglich.

So quälend diese Erfahrung auch sein mag, birgt sie doch mindestens die Chance, das etwas weitere gesellschaftliche Kreise die herrschenden Erzählungen, mit denen Sozialingenieure versuchen den Zeitgeist zu konstruieren, hinterfragen.

Die Lektüre ist an vielen Stellen recht bitter und zumindest ich habe mich oft geärgert. Freilich nicht über den Text sondern über die Manipulationen, die Täuschungen und Machenschaften, die Unger kenntnisreich und mit gut 400 Fußnoten äußerst transparent herausarbeitet.

Daß gerade unsere Gesellschaft, die durch ein unbewältigtes, ererbtes Trauma der Kriegsgeneration zu einer erheblichen Infantilität neigt und dadurch besonders leicht zum Opfer von „Wording“, „Nudging“ und „Framing“ wird – oder kürzer: Von Lüge und Manipulation -, dürfte mit diesem Werk völlig unbestreitbar sein.

Ja, die Lektüre dieser 520 Seiten ist bitter, aber ich empfehle sie wirklich dringend. Denn wenn sich die Zukunft zu etwas Besserem entwickeln soll, müssen wir, frei nach Gottfried Benn, mit unseren Defekten rechnen und von unseren Beständen und nicht von unsere Parolen ausgehen. Es hilft nur dieser ungeschönte Blick. Und wenn Raymond Unger auch bekennt, ein Kulturpessimist zu sein, stellt sich die Frage, warum er sich überhaupt die Mühe macht, dieses umfangreiche Werk vorzulegen. Und so endet der Text auch versöhnlich, denn der immer schriller werdende Wahnsinn geht ganz offensichtlich einem Kulminationspunkt und damit einem Ende entgegen. Und nur wo ein solches Ende erreicht wird, kann es auch einen neuen Anfang geben. Um für diesen Neuanfang gerüstet zu sein, ist dieses Buch eine nicht zu überschätzende Hilfe.

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