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Entschleunigtes Fast Food? Ein streitbarer Sachverhalt.

Entschleunigtes Fast Food? Ein streitbarer Sachverhalt.

Auch ein Flaneur wird einmal hungrig. Und nicht immer steht der Sinn nach Speise à la carte. Nun gibt es aber auch hier gewissermaßen Mindestanforderungen für ein wohlschmeckendes Mahl. Zunächst sollte die individuelle Anrichtung einer Mahlzeit erkennbar sein. Dabei ist sachdienlich, wenn die Bezeichnung einer Speise mit der Erkennbarkeit korreliert. Daß eine Nahrungsaufnahme genußvoll und ohne Hast erfolgen sollte, erklärt sich von selbst.

Zumeist sind vorgenannte Kriterien der unübersehbare Widerspruch zu Burgerbrätern verschiedener Provenienz. Aber nicht ganz Gallien ist von ebendiesen erobert: Es gibt auch hier ein gallisches Dorf, dessen „Bewohner“ gleichsam dem vermassten und amerikanisierten Lebensstil relativ elegant den Teppich unter den Hufen wegziehen können.

Beim Betreten einer derartigen Lokalität fällt – und das sei hier eindeutig als Kompliment verstanden – eine gewisse Langsamkeit auf. Diese entschleunigten Schnellrestaurants haben sich von Lingen an der Ems aus seit nunmehr 1961 im gesamten Bundesgebiet verbreitet. Anzutreffen sind sie fast ausschließlich in Orten deutlich unter 50.000 Einwohnern, z. B. auch auf Helgoland(!). Einige wenige Ausnahmen befinden sich in Einkaufszentren von Millionenstädten. 

Sie sind in ihrer Größe eher bescheiden und befinden sich immer in fußläufig erreichbarer Umgebung. Es gibt keine Drive-ins oder Filialen an Autobahnen. Das Unternehmen ist bis heute familiengeführt und hört auf den zunächst wenig prätentiös klingenden Namen „Kochlöffel“. Nach eigenem Verständnis ist dies der Versuch, den klassischen Deutschen Imbiss mit dem internationalen Fast-Food-Markt zu versöhnen.

Auf der Speisekarte stehen daher auch Klassiker wie Bratwurst und ein halbes Hähnchen. Eine Spezialität, vielleicht der geographischen Nähe des Gründungortes zu den Niederlanden sowie den teils niederländischstämmigen Eignern geschuldet, gibt es auch „holländische Kroketten“ und Kaffee aus dem Hause Douwe Egberts, was an den Kaffeemaschinen am angebrachten Emblem eindeutig ersichtlich ist. 

Hiermit hebt sich diese Schnellrestaurantkette deutlich von der Konkurrenz ab. Weiter fällt auf, dass verhältnismaßig wenig angelsächsisch klingende Produktnamen oder künstlich wirkende Eigenkreationn vorherrschen. Dafür kommen eher traditionelle Bezeichnungen vor, die ab und an von herausstechend exotischen Bezeichnungen wie „Umami-Star“ (Burger mit einer bestimmten Geschmacksrichtung, die außerhalb der vier typischen Grundgeschmacksrichtungen süß, salzig, bitter und sauer(?) angesiedelt sein soll) oder „Drumsticks“ (Hähnchenschlegel) unterbrochen werden. 

Andererseits gibt es auch hier den Zeitgeist zu spüren: Vegetarische Hamburger-Attrappen und natürlich Salate sind mittlerweile Teil des Standardrepertoires. Selbstredend gibt es fast keinen Plastikmüll, sondern Holzbesteck und Papierstrohhalme zu den Speisen. Auch die Teilnahme an Lieferdienstnetzwerken (etwa Lieferando) gehört zur allgemeinen Geschäftspraxis. 

Angenehm fällt zudem auf, dass fast ausschließlich muttersprachlich kompetentes Personal eingesetzt wird. Es wirkt nicht wie eine Absage an den schrillbunten Zeitgeist, sondern einfach ein Bekenntnis zu funktionierenden Konzepten. Über sechzig Jahre geben den Betreibern Recht. Auch die Öffnungszeiten fallen deutlich kürzer aus als bei anderen Schnellrestaurants. Dafür gibt es zumeist frisch gemachte Pommes Frites, es wird genau nachgefragt, ob Ketschup darauf oder extra gereicht werden soll. Das Personal ist aufmerksam. Auch werden Burger durchaus individuell angerichtet, sofern Sonderwünsche seitens eines Kunden geäußert werden. 

Eine kleine Nebensächlichkeit sind die Toiletten, die oft nicht nach dem letzten Schrei modernisiert sind, aber doch akkurat gepflegt und sauber daher kommen. Aufmerksam ist ein eigenes Waschbecken noch im Gastraum, wo fettige Finger flink gereinigt und Speiseresten unkompliziert entfernt werden können.

Nicht selten ist ein freundlicher Plausch mit dem Personal teil des Geschäftsvorganges, und da die Lokalitäten öfters in schönen Innenstädten gelegen sind, leistet schöne Architektur des Öfteren ihren Beitrag zu einer genussvollen Mahlzeit. Und im Falle des hier vorliegenden Betrachtungsfalles [Link zum Husum-Artikel] erwies sich das hiesige Personal gegenüber dem ortsunkundigen Gast als überaus auskunftsfreudig und hilfsbereit. Dies ist außergewöhnlich.

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Sven Stemmer

Arnold Welsch

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