Stoßgebet an eine bestreikte Bahn

von Sven Stemmer [Lesezeit ca. 2,5 min.]                                                                                                                  .. zuerst erschienen am 17.102014 auf  taz.de, die Wahrheit

Große Deutsche Bahn, auch wenn du jetzt streikest – lasse uns nicht fahren, du letztes Leitbild der europäischen Schicksalsgemeinschaft!

Durch zartrosa Nebelschleier am Ufer der Weser bahnt sich der Zug den Weg entlang goldschimmernd gebeizter Blätter und Perldiademen, die sich in den Morgen weben. Zur frühen Stunde erreichen wir endlich den traumverlorenen Bahnhof Elze. „Stoßgebet an eine bestreikte Bahn“ weiterlesen

Sich selbst und sein Gegenteil

Es ist bei sehr kleinen auch bei kleinen Kindern durchaus sinnvoll. In dieser Sphäre des Menschlichen sind einfach andere Maßstäbe anzulegen und wer wollte bestreiten, dass beispielsweise das erste Mal AA auf dem Töpfchen eine große Sache ist? Vielleicht nicht ganz einem Fresko in der Sixtinischen Kappelle zu vergleichen, aber doch nah dran … mindestens für die Eltern und das glückliche Kind. Soweit so gut. „Sich selbst und sein Gegenteil“ weiterlesen

Die Revolution bleibt zu Hause …

[Lesezeit ca.1,5 min. ]

… und wäscht sich die Hände. Es wird Lenin die Erkenntnis zugeschrieben, dass die deutschen Revolutionäre einen Bahnhof erst nach dem Erwerb einer Bahnsteigkarte besetzten. Vielleicht war es auch Stalin der dies sprach und vielleicht geht es gar auf eine tatsächliche Begebenheit zurück. Jedenfalls rühmte Genosse Dschughaschwili schon vor über hundert Jahren die Gesetzestreue deutscher Revolutionäre. „Die Revolution bleibt zu Hause …“ weiterlesen

Die Apfellagerung in den Zeiten von Corona

[Lesezeit ca. 2,5 Minuten]

Wenn sich über Wochen der Eindruck vertieft, dass die sich nur zaghaft füllenden Regale in den Supermärkten von ziellos umherirrenden Panikzombies gleich wieder leergekauft werden, ist jedes verdorbene Lebensmittel besonders ärgerlich …

… was vielleicht für eine Zeit lang eine sinnvoll disziplinierende Erfahrung sein kann. „Die Apfellagerung in den Zeiten von Corona“ weiterlesen

Beziehungsweise

 

[Plessner, Helmut. 1924. ‚Grenzen der Gemeinschaft‘]

Der Deutsche ist stolz darauf, in seinen besten Männern das Gewissen der Welt zu sein. Aber heißt das nicht auch, für die anderen einen Spielverderber zu spielen?

Hellsichtigkeit

[Werfel, Franz. 1946. ‚Stern der Ungeborenen‘]

Zwischen Weltkrieg zwei und Weltkrieg drei drängten sich die Deutschen an die Spitze der Humanität und Allgüte. Und sie nahmen das, was sie unter Humanität und Güte verstanden, äußerst ernst. Sie hatten doch seit Jahrhunderten danach gelechzt beliebt zu sein. Und Humanität schien ihnen jetzt der bessere Weg zu diesem Ziel. Sie fanden diesen Weg sogar weit bequemer als Heroismus und Rassenwahn.

So wurden die Deutschen die Erfinder der Ethik der selbstlosen Zudringlichkeit.

Diwali

von Sven Stemmer, Lesezeit ca. 1,5 Minuten

Da ich das Glück habe, an einer Universität Deutsch zu unterrichten, komme ich mit sehr vielen Stundenten aus aller Welt zusammen. In Paderborn ist vor allem die indische Gemeinde ziemlich groß, so dass sie in jedem Jahr ihr Diwalifest in einem Hörsaal feiern. „Diwali“ weiterlesen

Universités: l’appel des intellectuels pour protéger la liberté d’expression

von Sven Stemmer, Lesezeit ca. 2 min.

Auch in Frankreich werden die Universitäten zusehends zur Kulisse für die Selbstdarstellung extremistischer Ideologen aller Couleur. Wer selber eine Universität besucht hat, kennt das Milieu, das die Leistungsverweigerung zum Prinzip erhebt und sich in einem politischen Sendungsbewusstsein suhlt, dass einem die Spucke wegbleibt. Derweil blockieren sie Studienplätze, für die sich vermutlich leicht motiviertere Kandidaten finden ließen. Sei es drum. „Universités: l’appel des intellectuels pour protéger la liberté d’expression“ weiterlesen

Wasserstandsmeldung

[von Sven Stemmer, Lesezeit ca.: 3 min.]

Wenn ich an der Kasse im Supermarkt warten muss, fällt mein Blick gelegentlich auf die Schlagzeilen der BILD.  Gerade in dieser Woche lockte das Springerblatt mit dem Aufregerthema der Hartz IV Sanktionen, die nun vom Bundesverfassungsgericht als unzulässig erkannt wurden. Nichts lässt die Auflage steigen, wie ein ordentlicher Skandal. Es lohnt sich darüber einen Moment nachzudenken. Ich neige zum Beispiel dazu, zu überschlagen, wovon die eigentlich schreiben: „Wasserstandsmeldung“ weiterlesen