Das Paarungsverhalten der Ampelmännchen

Wer das Vergnügen hat durch die Landeshauptstadt Hannover zu flanieren, der kann an der Ampelkreuzung nächst der Markthalle neuerdings das Paarungsverhalten der Ampelmännchen studieren.

Entgegen meiner offenbar reaktionären Annahme handelt es sich bei diesen Leuchtsignalen nicht etwa um lediglich anthropomorphe Stilisierungen bar jeden Geschlechtes. In unserer Gegenwart angekommen wird diese wenig beachtete Spezies ihrer piktographischen Asexualität entrissen und mit Geschlecht nebst Präferenz ausgestattet.

Ich räume gerne ein, dass mein profanes Interesse, Straßen sicher überqueren zu können, nicht einer gewissen Ignoranz dem vermutich reichen Seelenleben der Ampelbewohner*innen gegenüber entbehrte. Nun darf ich mich also von diesem Kandelaber wahrhaft vielschichtiger Verkehrserziehung maßregeln lassen. Tja.

Neben der interessanten Beobachtung, dass es nicht nur lesbische Ampelpersonen of color (green in this case) sondern auch heterosexuelle gibt, sind es zwei Dinge, die mich … nun … irritieren. Zum einen mutmaße ich hinter den putzigen Leuchtbildchen die Initiative der Queer-Gemeinde, der es zumindest dem Anschein nach sehr wichtig scheint, dass es ja gar keine echten unterschiedlichen Geschlechter gibt oder eben gleich 65 aber nicht statisch sondern fluid – wie man so sagt – und dass man niemals irgendwelche Stereotypen verwenden dürfe etc.

Da entbehrt die Verwandlung eines völlig neutralen Piktograms in berockte Weibchen erheblich der Kohärenz.

Zum anderen nehme ich an, dass auch die neutralen Ampelleuchtfiguren ihre je eigene Biographie haben, ihre Geheimnisse, Sehnsüchte und tiefen Wunden. Wie viele von Ihnen mögen schwul sein oder transsexuell? Indes … es interessiert mich nicht. Eines der angenehmsten Privilegien scheint mir, mich nicht dafür interessieren zu müssen, was mir fremde Personen in ihrem Schlafzimmer veranstalten – und das ist auch gut so. Jetzt werde ich mit einem gleichgeschlechtlichen Paar konfrontiert, von der die eine Leuchtende es offenbar eilig hat und die andere hinter sich her zieht. Da frage ich mich doch … liegt hier vielleicht Nötigung vor? Ich bin ja nicht so für sexualisierte Gewalt.

Wie auch immer – es sei den Schildbürgern unserer Tage ihr putziger Unfug gegönnt. Ich wüsste nur gerne, was solche Projekte eine Stadt wie Hannover kosten und ob man dafür nicht vielleicht auch das ein oder andere Fenster in einer Schule oder einem Kindergarten reparieren könnte.

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