Sich selbst und sein Gegenteil

Es ist bei sehr kleinen auch bei kleinen Kindern durchaus sinnvoll. In dieser Sphäre des Menschlichen sind einfach andere Maßstäbe anzulegen und wer wollte bestreiten, dass beispielsweise das erste Mal AA auf dem Töpfchen eine große Sache ist? Vielleicht nicht ganz einem Fresko in der Sixtinischen Kappelle zu vergleichen, aber doch nah dran … mindestens für die Eltern und das glückliche Kind. Soweit so gut.

Irgendwann aber betritt man die Sphäre, die man gewiss nicht rüde als ‚erwachsen‘ ansehen darf – da gibt es sicher noch mehr –  aber die denn doch mit der Fähigkeit einher gehen sollte, Exkremente als solche zu erkennen und zu klassifizieren.

Wenn man z.B. die Grundschule abschließt, und ein Zeugnis in den Händen hält, dass über den weiteren Lebensweg entscheidet, darf einem schon die Information zugemutet werden, in welchen Fächern man weniger gut war oder gar versagt hat. Wenn manche Schüler wirklich erfolgreich waren (immer Gemessen an ihrem Potential versteht sich) und andere nicht, weil z.B. Faulheit, Bosheit oder sozialer Unwille wenig Raum ließ für profanes Lernen, dann sind eben nicht alle ganz klasse, wie man gerne von beherzten Grundschullehrern hört, die sich schlicht nicht trauen, Unangenehmes beim Namen zu nennen. Jene Personen also, von denen die Kinder auch die Kompetenz der Unterscheidung vermittelt bekommen sollten.

In einer sich rasant infantilisierenden Gesellschaft schwindet die Bereitschaft Härten auszusprechen. Und wir verlieren Maß und Mitte. Man bewegt sich im Disneymodus durch sein Leben … wenn noch am letzten Rücksack ein Diddlmäuschen oder sonst ein Puschel hängt und jeder und alles in der Wahrnehmung zum glotzäugigen Bambi mutiert, zum Schneeflöckchen, dem man kein Leid tun darf, dürfte die schlichte Überlebensfähigkeit im Alltag gefährdet sein.

Derart konfliktscheu konditioniert sagt es sich leichter, dass auch das Kleine groß sei. Aber es ist falsch. Große Dinge sind groß und kleine Dinge sind klein. Oft lässt sich das Große im Kleinen entdecken oder es spiegelt sich darin, wie der gesamte Himmel in einem Tautropfen. Und manchmal erscheinen Dinge klein und sind es eigentlich nicht. Aber kein Ausdruck kann gleichzeitig sich selber und sein Gegenteil bedeuten. Das zerstört den Sinn der Unterscheidung und der Orientierung in einer faktisch vorhandenen Welt, die auf derlei Seifenblasen keine Rücksicht nimmt.

Indes – eine Zeit, in der etwas Kleines nicht klein sein darf, ein Versagen nicht benannt etwas Häßliches nicht mehr so genannt werden darf – in der Diktatur der guten Laune im zuckrigen, marshmallowweichen Diktat der Vortrefflichkeit für jeden – erstickt langsam und qualvoll die Fähigkeit wirklich Hervorragendes zu erreichen.

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