.. der kreischende Klang der Zeit

von Sven Stemmer [Lesezeit ca. 2,5 min.]

Den Einstieg in eine Unterrichtsreihe zur Philosophie der Gefühle gestaltete ich mit einem Bild, das den Titel ‚Madentherapie‘ trug. Es war das Foto einer offenen Wunde, in der künstlich Fliegenmaden aufgebracht waren, die das nekrotische Gewebe wegfraßen.

[Meist reicht diese Beschreibung – bei der Entscheidung, ob ich dieses Bild hier zeigen soll, stellte ich fest, dass ich den Anblick noch immer nicht ertrage. Einfach googlen].

Das Bild nun war in seiner ganzen Pracht an die Wand projeziert und die Schüler rätselten eine Weile darüber, was sie da sahen. Ich hatte den Eindruck, dass sich manches Gehirn verzweifelt weigerte das Offensichtliche zur Kenntnis zu nehmen. Irgendwann überfiel sie aber in einer Kettenreaktion die Erkenntnis. Aus dem allgemeinen Schauder heraus ließ sich nun die Frage stellen: Wofür brauchen wir den Ekel?

Es lohnt sich mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und sie im Sinne dieser Vortragseröffnung sinnlich wahrzunehmen. Das ist nicht immer oder gar immer weniger schön, aber jenseits von Zahlenkolonnen und Statistiken lässt uns eine vitale, emotionale Reaktion viele Dinge in ihrem Wesen deutlicher wahrnehmen. In den Bildern, Allegorien und Metaphern, die täglich auf uns einprasseln entbirgt sich deutlich, wie es um unsere Gesellschaft und den Zeitgeist bestellt ist. Dieser Geist wird hier auf den Punkt verdichtet, es ist eine Gegenwarts-Poeisis die uns ein klares Bild unserer Welt gibt. Es wird deutlich, dass Sinnlichkeit und Poesie nicht unbedingt Schönheit sondern eher Erkennbarkeit und Wahrnehmbarkeit meinen.

Eine Quelle solcher Bilder ist die Seite indymedia.org, auf der es Artikel zu diesem und jenem gibt, meist mit extremistisch linkem Hintergrund. Hier nun hat ein wahrer Künstler der deutschen Sprache in einer etwas mageren Anleitung zur Selbstjustiz folgende eindrückliche Zeilen geschrieben:

„ein aufgesetzer schuss aus einer gaspistole auf einen nazi am kopf oder am herz ist sofort tödlich. da braucht es keine umstände um legal oder nicht an eine scharfe pistole ranzukommen.“

Ich denke, wie bei dem Bild mit den Maden ist es erkenntnisstiftend diese Worte einmal in ihrem sinnlichen Potential auf sich wirken zu lassen. Dazu muss man es vielleicht öfter vor sich hinmurmeln – jeder hat da andere Techniken. So lange eben bis die Erkenntnis im Kopf oder Herzen explodiert, was wir da eigentlich lesen.

Wer wissen möchte, wer für diese Art von Schlachthauspoesie verantwortlich ist, der kann den Blog Indymedia durchblättern. Das Gefühl schleicht sich ein, dass man einige der Exkrementschleudern aus dem Hambacher Forst oder der Gewalttouristen von G20 unter den Autoren finden kann. In jedem Fall aber, sind es Menschen, auf deren Unterstützung die SPD im Kampf für eine bessere und menschlichere Gesellschaft nicht verzichten mag.

Vielleicht mag mancher auch wissen, wen eine solche Anregung betrifft. Nun, keinesfalls ist „Nazi“ gegenwärtig eine Selbstbezeichnung. Zumindest in der deutlichen Mehrheit der Fälle im Bereich nahe 100% ist es eine Fremdzuschreibung. Und wer ein Nazi ist, das bestimmen eben u.a. die Autoren von Indymedia.

Lauschen Sie auf den Klang des Zeitgeistes!

Eine Antwort auf „.. der kreischende Klang der Zeit“

  1. Dandys Corner ( Dandyísmus !? ),
    ein geistreich-zynischer Konversationston und eine typische gleichgültig-arrogante Haltung in jeder Lebenssituation hat was und verträgt sich mit meinem Boheme-Lebensstil. Freue mich immer auf interessante Beiträge.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.