Diwali

von Sven Stemmer, Lesezeit ca. 1,5 Minuten

Da ich das Glück habe, an einer Universität Deutsch zu unterrichten, komme ich mit sehr vielen Stundenten aus aller Welt zusammen. In Paderborn ist vor allem die indische Gemeinde ziemlich groß, so dass sie in jedem Jahr ihr Diwalifest in einem Hörsaal feiern.

Ich fühlte mich geehrt, als ich von einigen der Organisatoren, die meinen Deutschkurs besuchen, zu der Veranstaltung eingeladen wurde. Das Gebäude war mit Lampions geschmückt, innen waren allerlei Teelichter aufgestellt [sicher ein Skandal für den Brandschutz] und an der Wand hing die Fahne Indiens traulich neben der Schwarz-rot-goldenen [sicher ein Skandal ganz allgemeiner Art an einer Deutschen Universität]. Beim Betreten des Gebäudes schlug mir eine Duftwolke entgegen, als ob jemand einen Hippie in Brand gesteckt hätte. Ich mag den Geruch von Räucherstäbchen aber ganz gerne. Es gab Spezialitäten aus allen Regionen Indiens, es wurde live Musik gespielt und viele der Gäste trugen traditionelle Gewänder – die Frauen den Sari, die Männer verschiedenes, zu dem mir die Namen nicht bekannt sind. Allerdings wurde über manchem überlangen Hemd ein Smoking mit Uhrenkette gezeigt, was wohl dem kulturellen Einfluss der Kolonialzeit zu verdanken ist. Es war eine angenehme, freundliche Atmosphäre, wie bei einer entspannten Weihnachtsfeier. Neben den Indern waren auch viele der nigerianischen und deutschen Kommilitonen erschienen und einige Dozenten.

Als ich ging, sah ich draußen einen einzigen Vertreter der linken Studentenschaft, [natürlich nur, soweit man dem Augenschein trauen darf und ich gestehe, dass ich hier einem Klischee folge], der etwas mürrisch seiner Pflicht zu Weltoffenheit nachkam. Er rauchte eine und blickte sich verdruckst um. Es schien mir, als fühle er sich etwas deplaziert …

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