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Auf einen Schwatz mit dem Schutzmann

Auf einen Schwatz mit dem Schutzmann

[Lesezeit ca.2 min.]

Auch im November sind manche Tage schön. Wenn der Himmel hoch und blau und die Luft kalt ist, lohnt sich ein Gang über den Markt in unserem Dörfli. Ich freue mich immer, wenn ich etwas Schönes erlebe, wie vor ein paar Tagen, als die örtliche Polizei Kaffee an die Bürger verteilte und für ein Gespräch zur Verfügung stand.

Ich habe mich besonders gefreut, weil ich in den letzten Monaten Bilder von Polizisten gesehen habe … mehrfach auch persönlich und vor Ort … die den UN-Menschenrechtskommissar und Amnesty International zu Recht auf den Plan riefen. Das ist sowohl beunruhigend als auch bedrückend.

Doch an diesem schönen Tag stand in unserer Fußgängerzone eine Kaffeebar in einem Citroën HY von 1972, der ein wenig an eine alte Tante JU erinnerte, der man die Flügel abgeschraubt hatte. Der Kaffee vom Café Mobil Köln, das extra für die Veranstaltung angeheuert worden war, ist sehr zu empfehlen. Und vor dem Auto konnte man mit vielen freundlichen Menschen in Uniform sprechen.

Sogar mit dem viel belagerten Pressesprecher konnte ich mich unterhalten. Er erzählte mir, dass man über Einbruchsprävention reden wolle, dass es wichtig sei, ein gutes Verhältnis zu den Bürgern zu haben und sich nicht als Feinde zu sehen, sondern an einem Strang zu ziehen. Vor allem die Kinder sollten wissen, dass man keine Angst vor der Polizei haben muss. Dem kann ich nur zustimmen.

Er sagte mir, dass niemand kritische Fragen zu den Vorfällen, vor allem in Berlin, gestellt habe. Eine Großstadt wie Berlin ist eine ganz andere Hausnummer. Und in unserem Bundesland könne man besonders stolz auf die Entwicklung der Kriminalitätsstatistik sein. … Na ja, vielleicht … nicht unbedingt in Bezug auf die Gewaltkriminalität. Man hört ja auch immer wieder von Gewerbetreibenden, dass es gar nicht so einfach ist, die Beamten dazu zu bringen, eine Anzeige aufzunehmen … Es soll gar Landkreise geben, die Ladendiebstähle bis zu 50 € direkt in bar bezahlen. Natürlich ist das für uns alle billiger, weil Strafverfolgung teurer wäre. Aber können wir uns dann nicht auch das Papier sparen, auf dem die Kriminalitätsstatistiken gedruckt werden?

Es ist klar, daß der Pressesprecher einer Behörde sich nicht kritisch über diese Behörde äußern darf und es ist auch klar, daß die Provinz anders ist als Berlin. Und wirklich – ich freue mich über die nette Idee und darüber, daß es bei uns auf dem Land noch echte Schutzmänner gibt.

Trotzdem war es mir wichtig, diese Themen anzusprechen, denn wenn sich die Ausfälle häufen und vielleicht sogar noch schlimmer werden, bezweifle ich, daß sich der Graben, der sich dann auftut, mit einer Tasse Kaffee überbrückt werden kann.

Sven Stemmer

Arnold Welsch

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