… wenigstens das, INFA 2020

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Wir mögen auf dem Bild ein wenig gehetzt wirken, denn tatsächlich war das Anmeldeprozedere auf der diesjährigen Infa .. nun, sagen wir .. fordernd. Vor dem Eingang Nord der Messe Hannover war der Andrang dermaßen verschwindend, dass er von Ferne wie die Zigarettenpause der Servicekräfte aussah. Allerdings musste jeder einzelne nach Registrierungen und verschiedenen Scans auf das Gelände diffundieren, was problemlos eine  halbe Stunde in Anspruch nehmen konnte. Endlich hinter der Absperrung, ließ sich an dem ausgefegten Gelände der Begriff der Leere physisch und metaphysisch in aller Tiefe und Breite erfahren. So muss es nach einem Atomschlag sein.

Da war es an und für sich ganz passend, dass der erste Stand in der ersten Halle einer Berliner Fotografin gehörte, die sich in ihren großformatigen Bildern und Kalendern auf Lost Places spezialisiert hatte. So fügte sich die künstlerische Bearbeitung wie bei einer Matrioschka in die befremdliche Realität.

Weiter ging es im Bereich Lifestyle mit britischer Mode, mit Hüten und Wohnarrengements. Alle Stände weit auseinander gezogen und dazwischen verloren wirkende Besucher.

Der Weihnachtsbereich hatte in diesem Jahr keine eigene Halle, sondern lediglich ein Drittel, das zudem spärlich besetzt war. Ein dezenter Hinweis, was uns in diesem Dezember erwartet, nachdem nun praktisch jeder Weihnachtsmarkt abgesagt wurde.

Die Halle mit den plastikbunten Verbrauchsgütern wie billigen Spielzeugen und grellem Make Up war nur ein wenig voller. Die Verkäufer in diesem Bereich – fast verzweifelt –  stürzten sich mit beachtlicher Penetranz auf jeden, der sich auch nur entfernt näherte.

Bedrückend ging es auch bei den Lebensmitteln und Cafés zu.  Auseinandergezogen, fragmentiert wie die auseinanderdriftenden Wrackteile eines Schiffes, waren sie nicht lediglich ungeeignet ein gastliches Gefühl zu vermitteln. Vielmehr unterstrichen sie sehr deutlich die Erbärmlichkeit dieser Situation.

Ich selber mag große Menschenansammlungen nicht besonders. Ich bekomme leicht Kopfschmerzen. Auch fand ich sehr viele schöne Dinge auf dieser Messe und freundliche Aussteller, die der Situation trotzig die Stirn boten. Das macht schon Mut und sicher war es gut und richtig diese Messe durchzuführen oder zu besuchen.

Insgesamt aber müsste man schon bemerkenswert abgestumpft sein, würde man das Absurde und Bizarre unserer Gesellschaftssituation – kondensiert in diesen Hallen am Ende Oktober – nicht wahr nehmen.

Da kommt etwas Unschönes auf uns zu. Darüber wird noch viel zu reden sein.

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