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Wo geht’s nochmal zum Wohlgefallen?

Wo geht’s nochmal zum Wohlgefallen?

[Lesezeit ca. 2,5 min.]

Haben wir eigentlich noch einen Lockdown? Auf Deutsch sagte man wohl Ausgangssperre (das Wort zeigt, warum man lieber das nicht so verständliche Fremdwort benutzt – nagte doch sonst hartnäckig die Frage, wer mir eigentlich den Ausgang sperren dürfe – und warum? Gefahr des Denkens durch Unverständlichkeit gemildert!).

Meine Frage ist aber durchaus ernst gemeint. Da ich keine Nachrichten konsumiere, geht vieles des Spektakel an mir vorüber.

Als ich so aus meinem Fenster blickte und dem Frühling bei der Weigerung beobachtete, der globalen Erwärmung zu folgen, kam mir diese Frage. Und auch der wievielte Lockdown das nun sei. Ist es noch der “Wellenbrecherlockdown” oder wurde dieser nahtlos durch den “Brückenlockdown” abgelöst. (Komisch, daß diese Worte immerhin zur Hälfte deutsch sein dürfen. Klingt aber auch gut … “Wellenbrecher”, “Brücke” … also “Wellenbrecherausgangssperre” und “Brückenausgangssperre” ist ja auch ein bisschen sperrig … und verrät vielleicht ein bisschen viel über die Natur der gegenwärtigen Situation. Vielleicht würden die Menschen bei einem “Freiheitslockdown” auch weniger mißtrauisch als bei einer “Freiheitsausgangssperre” … das wäre vielleicht ein bisschen viel 1984 … tja.)

Aber zurück zur gegenwärtigen Ausgangssperre (mit gelegentlichem Umschluß) … es begann ja in der Vorweihnachtszeit und somit zur unmittelbaren Nähe der Weihnachtsgeschichte (Lukas 1,5 – 2,52) in der der Ausruf >Fürchtet euch nicht< des Engels über dem Felde bei den Hirten eine recht prominente Rolle spielt. Im Weiteren verkünden dann die himmlischen Heerscharen den >Frieden auf Erden< … tja. Nun weiß ich, daß viele Bildungsspießer ihren kleinen Atheistenstolz pflegen, zu aufgeklärt für religiöse Texte zu sein und lieber auf die unverrückbaren Wahrheiten der Wissenschaft setzen. Alle anderen möchte ich auf einen Hintersinn dieser Textstelle hinweisen: Der Friede erwächst hier aus der Furchtlosigkeit. Das ist eigentlich zwingend – auch ohne Engel. Angst ist bestenfalls eine Warnung, nie aber ein guter Ratgeber. Im zweiten Schritt sollte man sich von ihr befreien, um die Dinge, wie sie nun einmal sind, vernünftig zu betrachten. Und daraus erwächst der Friede (und auch die Freiheit) im Innern. Friede und Freiheit im Außen kann ich mir nur denken als Konsequenz eines inneren Friedens und innerer Freiheit einer kritischen Menge an Bürgern.

Hannah Arendt lässt uns wissen, daß Angst und Vereinzelung die Mittel totaler Herrschaft sind. Stellt sich die Frage, ob auch andere Herrschaftsformen diese Mittel (zusammengenommen: Verzweiflung) nutzen können – ohne totalitär zu werden.

Jedenfalls war die Botschaft der letzten Weihnachtszeit, die in den vollständig entkernten Kirchen dieses Landes (wenn ich das einmal von außen so bemerken darf) ihre Echokammern fand >Fürchtet euch<. In religiösen Begriffen gesprochen … geradezu satanisch. Aber auch wenns eine Nummer kleiner sein darf, kann ich mir nur schwer vorstellen, daß es viele Menschen gibt, die aus der Furcht das Hereinbrechen einer Friedenszeit und allgemeinen Wohlgefallens erwarten.

Äußerst degoutant, diese Angelegenheit, die dann enden wird, wenn wir die Furcht ablegen und uns gerade machen. Also: Fürchtet Euch nicht!

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