Korrellation ist NICHT(!) Kausalität

von Sven Stemmer [Lesezeit ca. 2 min.]

Es ist offenbar ein Krieg entbrannt, um die Deutungshoheit in der Frage was Fakten und was alternative Fakten sind. Ich glaube, es sind zwei Antworten darauf denkbar. In dem einen Fall, gehe ich davon aus, dass beides Fakten sind, die lediglich von unterschiedlichen Seiten herangezogen werden, um den je eigenen Standpunkt zu untermauern. In diesem Fall ist aber die Unterscheidung überflüssig und das Gerangel um die Begriffe ergibt keinen Sinn. Es wird erst im zweiten Fall verständlich. In dem sind Fakten Fakten und alternative Fakten Unfug. Das heißt mit der Formulierung alternative Fakten unterstellt man dem Gegner unwissenschaftlichen Unfug zu verbreiten.

Vermutlich ist es nicht nötig, den Konflikt noch weiter zu illustrieren, um zu erkennen, dass hier höchst ideologische Kräfte versuchen, den Bereich der Wissenschaft für ihre Zwecke zu vereinnahmen.

Ideologische Grabenkämpfe haben aber in der Wissenschaft (und nebenbei: auf einer Buchmesse) nichts zu suchen.

Fakten sind das, was der Fall ist. Sie sind durch Beobachtungen, Messungen, Experimente und Berechnungen grundsätzlich fundierbar. Dabei kann man noch zwischen Daten, zum Beispiel Anzahl, Gewicht, Menge einerseits und möglichen Folgen andererseits unterscheiden . Man kann zum Beispiel die Temperatur messen und die Anzahl frierender Menschen ermitteln. Vielleicht merkt man dann, dass bei sinkenden Temeraturen die Anzahl der Frierenden zunimmt. Das ist eine Korrelation, die uns zuverlässig beobachten lässt, dass es kälter wird, wenn mehr Menschen frieren. Man könnte daraus schließen, dass es kälter wird, weil mehr Menschen frieren. Das ist dann eine Kausalität, die recht unstrittig falsch ist, deshalb denkt die überwiegende Mehrheit, dass es sich genau andersherum verhält. Korrellationen lassen sich recht einfach beobachten, Kausalität müssen in der Regel recht aufwändig nachgewiesen werden. Für einen möglichst ungetrübten Blick auf die Realität, die sich aus Fakten zusammensetzt, muss jeder äußerst streng darauf achten, zwischen Korrellationen und Kausalitäten zu unterscheiden. Korrellationen sind ein Anlaß über mögliche Kausalitäten nachzudenken oder nach ihnen zu forschen. Und weit häufiger, als mancher glauben mag, stellt sich heraus, dass trotz auffälliger Korrellation keine Kausalität vorliegt.

Es ist jedem zu danken, der in die heraufdämmernde Verwirrung der Gegenwart ein bisschen Licht bringt. Deshalb ist es gut, wenn Magazine wie der Cicero sich dieser Aufgabe annehmen.

Eine Antwort auf „Korrellation ist NICHT(!) Kausalität“

  1. Dieses Thema ist lange und intensiv diskutiert worden, vor allem in Politik und Medien. Beinahe durchgangig sa?en die Kommentatoren der Verwechslung von Korrelation und Kausalitat auf, wobei noch nicht einmal eine belastbare Korrelation zwischen Amoklaufen und Computerspielen gezeigt werden konnte. Und dennoch wurde, in einer abenteuerlichen Vereinfachung der jeweiligen Situation, ein Element des Sozialverhaltens Jugendlicher fur die Taten verantwortlich gemacht, verbunden mit Verbotsforderungen. Genaue empirische Untersuchungen konnten bestenfalls eine Korrelation ausmachen, die – lasst sich vermuten – auch nur die konkrete Art der Tat betreffen durfte. Kausalitat wurde fur diesen Fall bedeuten, dass der Jugendliche auch in ganz anderen Familienverhaltnissen hatte aufwachsen konnen, andere oder keine Gewalterfahrungen hatte durchleben mussen, andere Freunde hatte haben konnen usw., aber in allen Fallen galte: Wenn er Ballerspiele in einem bestimmten Ma? spielt, wird er Amoklaufer. Kurz: Kausalitat wurde bedeuten, dass alle Spieler, die ein gewisses Ma? uberschreiten, zwingend Amoklaufer werden.

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